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OVB-online/ Unterschleif mit Smartphone und Smartwatch

UNTERSCHLEIF MIT SMARTPHONE UND SMARTWATCH

Hase und Igel im Wettlauf

Bei schriftlichen Tests, wie Klausuren und Stegreifaufgaben, müssen die Schüler der achten bis zwölften Jahrgangsstufe am Gymnasium Waldkraiburg ab sofort ihre Smartphones und Smartwatches – am besten – unaufgefordert am Lehrerpult abgeben. Es gab Fälle, bei denen während der Prüfung aus dem Internet abgeschrieben wurde. Die Hausordnung verlangt, dass Handys und elektronische Kommunikationsmittel während des Unterrichts und in den Pausen ausgeschaltet sein müssen und nur in Absprache mit der Lehrkraft in dringenden Fällen benutzt werden dürfen. dpa© OVB

Mit dem Smartphone während der Prüfung im Internet nach der richtigen Lösung suchen – das ist längst zu einem Problem an Schulen und Unis geworden. Auch am Gymnasium Waldkraiburg gab es Vorfälle des High-Tech-Spickens. Nun reagiert die Schulleitung und kassiert bei schriftlichen Tests Mobiltelefone und auch Smartwatches ein. Dies gilt ab der Mittelstufe.

Waldkraiburg – „Prüfungsgerechtigkeit ist das wichtigste Wort in diesem Elternbrief“, sagt Direktor Helmut Wittmann. Mit einem Rundschreiben wendet er sich an die Elternschaft und kündigt an, dass in den achten bis zwölften Jahrgangsstufen Smartphones und Smartwatches bei schriftlichen Prüfungen tabu sind. Sie sind vorab am Lehrerpult abzugeben. Auch wenn der Lehrer nicht dazu auffordert.

Wer das elektronische Gerät nicht abgibt, es also bereithält, ist wegen „Unterschleifs“ dran, kassiert 0 Punkte oder eine 6, wie Wittmann erklärt.

Es gab zwei konkrete Vorfälle. Bei einer Deutsch-Klausur zum Beispiel, die mehrere Stunden dauert und bei der wechselnde Lehrkräfte Aufsicht haben, hat eine Oberstufenschülerin aus dem Internet abgeschrieben.

Bei der Korrektur stieß ihr Lehrer drauf, dass zwei Drittel des Textes wortwörtlich von einer Internetseite abgekupfert waren. Als man sie konfrontierte, hat sie es sofort zugegeben und bekam 0 Punkte, wie Wittmann erzählt. Im Gespräch ergab sich, dass sie nun die „Dumme“ sei, die erwischt wurde, das aber andere auch machen. Die Prüfungssituation muss für alle gleich sein, betont der Direktor.

In einer Lehrerkonferenz einigte man sich auf die neue Regelung. „Bisher war das nicht schriftlich fixiert, manche Lehrkräfte sammelten bei Tests die Handys ein, andere nicht. Nun ist es einheitlich geregelt“, so der Schulleiter. Und obwohl Smartwatches derzeit noch nicht so verbreitet sind – an anderen bayerischen Schulen gab es schon Unterschleif-Vorfälle – werden sie vorsorglich in diese Regelung einbezogen.

„Das Ganze wirkt wie eine massive Maßnahme. Jedoch wird es beim Abitur schon lange so gehandhabt“, stellt Wittmann klar. In der Unterstufe verzichtet man darauf. Das Kollegium ist der Meinung, dass die schriftliche Prüfungssituation schon so belastend ist und man dies nicht verstärken sollte. Wer aber spickt, elektronisch oder altmodisch, kriegt auch eine 6.

„Das ist ein kleiner Eingriff in die Privatsphäre, aber hinnehmbar.“ Pascal Wagner, Schülersprecher

Pascal Wagner ist Schülersprecher. Für den 16-Jährigen ist dieses neue Verbot verständlich, auch wenn er von einem „kleinen Eingriff in die Privatsphäre“ spricht. „Das ist aber zu verkraften. Ich hab Verständnis für die Lehrer. Man braucht das Handy während der Klausur ja nicht, also ist es hinnehmbar.“

Dass der Trend inzwischen zum Zweit-Handy geht, ist Helmut Wittmann bewusst. Manche geben eines ab und haben noch ein zweites in petto.

„Dieser Wettlauf zwischen Hase und Igel gehört dazu. Daher muss der Lehrer genau hinschauen und beobachten. Den Schüler oder seine Tasche durchsuchen darf er nicht“, sagt der Schulleiter. Einen Störsender für diese Trickser zu installieren, daran will er im Moment noch nicht denken.

Zudem sei das Phänomen Smartphone etwas, mit dem man heutzutage umzugehen habe. Nicht nur die belastende Dauerverfügbarkeit und die Konzentrationsschwierigkeiten und andere negative Aspekte dürfen zählen.

Es gebe positive Einsatzmöglichkeiten. Etwa wenn man schnell einen kurzen Film für den Unterricht drehen will. Oder wenn ein Schüler krank daheim sitzt, können die Mitschüler Hefteinträge oder Tafelbilder abfotografieren und ihm sofort per WhatsApp schicken. „Wir verteufeln die Teile nicht“, so der Schulleiter.

Das ist Elternbeiratsvorsitzendem Dr. Helmut Rochlitz auch sehr wichtig. „Handys generell aus dem Schulalltag zu verbannen, wäre weltfremd. Es gibt Situationen, bei denen sie im Unterricht zu Recherchezwecken eingesetzt werden. Smartphones sind Geräte, die unseren Alltag bestimmen“, so Rochlitz.

Ihn habe der Elternbrief etwas gewundert. Dass alle ihre Telefone vorne am Pult abliefern müssen, hält er für „ein wenig überzogen“. Seiner Meinung nach müsste es reichen, dass in der Hausordnung verständlicherweise steht, die Geräte müssen im Unterricht und in den Pausen ausgeschaltet sein und dass das der Lehrer vor der Prüfung nochmal sagt.

 

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