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Schulgeschichte des Gymnasiums Waldkraiburg

Der schwierige Start als Provisorium

Das stetige Wachstum der jungen Industriestadt Waldkraiburg und die schwierigen räumlichen Verhältnisse in Mühldorf, die eine Erweiterung des Gymnasiums dort nicht ohne weiteres zuließen, veranlassten die Politiker der Stadt und des Kreises, sich für die Errichtung einer Zweigstelle des Ruperti-Gymnasiums in Waldkraiburg einzusetzen. Aufgrund deren Bemühungen und des Schülerzustromes Ende der 60er Jahre veranlasste das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus am 15. Mai 1970 ein Progymnasium in Waldkraiburg einzurichten.

Am 10. September 1970 begann der Unterricht für die ersten 70 Schüler des neuen Gymnasiums in zwei Räumen der Hauptschule an der Dieselstraße. Neben diesen befand sich ein eher provisorisches Lehrerzimmer, das zugleich Lagerraum für Lehrmittel, Projektoren und Bücher sowie Sitz des Sekretariats und Refugium für die jeweils aus Mühldorf anreisenden Lehrkräfte war. Erfahrene Lehrkräfte pendelten zwischen den beiden Schulorten hin und her.

Jahre der Wanderschaft

Mit dem stetigen Wachstum der Schule begannen auch die Jahre der Wanderschaft. Zu jedem Schuljahresbeginn konnten zwei Anfangsklassen gebildet werden und erst nach sechs Jahren und drei Umzügen hatte man die vorgesehene Ausbaustufe mit einer 10. Klasse erreicht. Am 28. Juni 1976 konnte der erste Schülerjahrgang, der die Unter- und Mittelstufe in Waldkraiburg durchlaufen hatte, mit dem Abschluss der 10. Klasse und der damit verbundenen Oberstufenreife entlassen werden.

Notwendig für einen weiteren Ausbau wäre jedoch ein starker Anstieg der Schülerzahlen gewesen. Der Schülerzugang blieb aber über die nächsten Jahre hin weitgehend konstant, und die demographische Entwicklung ließ eher einen Rückgang der Schülerzahlen erwarten, so dass ein weiterer Ausbau der Schule zu einem Vollgymnasium zunächst zurückgestellt wurde.

Seit dem 17. September 1974 befand sich das Waldkraiburger Progymnasium nach Zwischenstationen im ,,Südbau" und in der Grundschule des Schulzentrums in der Eichendorff-Schule. Hier verfügte die Schule über ausreichend Raum für die Klassenzimmer, doch was die Fachräume anbetraf, war die Situation auf Dauer nicht haltbar. Lediglich ein provisorisch eingerichteter Zeichensaal und ein zum Biologie- und Projektionsraum umfunktionierter Kellerraum standen zur Verfügung. Dies wirkte sich besonders nachteilig auf die Arbeit in den naturwissenschaftlichen Fächern aus, in denen doch das Experiment zentraler Bestandteil des Unterrichts sein soll. Diese Defizite konnten auch durch die großzügige Hilfe der benachbarten Hauptschule, die dem Gymnasium einen Lehrraum zur Verfügung stellte, nicht aufgehoben werden.

Der Weg zum eigenen Schulgebäude

Im Schuljahr 1978/79 erreichte die Schule mit 12 Klassen und 349 Schülern ihre vorläufig größte Starke. Die fast unerträgliche Raumenge wurde nur durch die Gewissheit gemildert, dass nun nach mehrjähriger Diskussion ein Kreistagsbeschluss herbeigeführt worden war, demzufolge dem Gymnasium ein eigenes Gebäude mit allen Fachräumen im Schulzentrum an der Lisztstraße zur Verfügung gestellt werden sollte.

Am 2. Mai 1979 begannen die Erweiterungsarbeiten an dem Gebäude im Ritter-von-Gluck-Weg 3a, das bis dato als Sonderschule gedient hatte, um die naturwissenschaftlichen Fachräume, den Musiksaal, die Lehrmittelbücherei sowie den Fahrradkeller aufzunehmen.

Für die Gymnasiasten begann nun eine Schulzeit, wie sie nur wenige Schüler in ihrer Laufbahn erlebt haben dürften. Auch das Gebäude in der Dieselstraße musste für eine Aufnahme der Sonderschule vorbereitet werden, so dass die Gymnasiasten ab dem 19. Mai 1980 nachmittags in den Räumen der Hauptschule unterrichtet werden mussten. Durch die Einrichtung eigener Buslinien und die Verkürzung des Unterrichtes um eine Stunde hielt sich dabei die Belastung für die Schüler jedoch in Grenzen.

Im eigenen Domizil

Als dann am 30. Juli 1980 das Jubiläum des 10-jährigen Bestehens der Schule gefeiert wurde, war dies gleichzeitig der Abschied von 10 Jahren Provisorium ohne eigenes Domizil. Nach langen Bemühungen von Eltern, der Schulleitung, der Politiker und Ämter war erst jetzt der Ausbau gelungen. Der Unterricht wurde am 16. September 1980 erstmals im eigenen Haus aufgenommen.

Ein neusprachlicher Zweig für Waldkraiburg?

In den früheren achtziger Jahren wurde die Errichtung eines eigenen neusprachlichen Zweiges an der Waldkraiburger Schule zu dem beherrschenden innerschulischen Thema. Alle Schüler, die sich für den neusprachlichen Zweig entschieden hatten, mussten mit dem Eintritt in die 9. Jahrgangsstufe nach Mühldorf wechseln. Auch wenn sich die meisten Schüler nach relativ kurzer Zeit in Mühldorf gut einlebten, betrachteten doch die meisten Eltern und Schüler, vor allem wenn ein solcher Wechsel bevorstand, diesen als ein Manko. Der Elternbeirat aus Waldkraiburg setzte sich mit Unterstützung der Mühldorfer Schulleitung immer wieder für die Einrichtung dieses Zweiges in Waldkraiburg ein. Trotz der zusätzlichen Unterstützung des Kreistages lehnte das Kultusministerium im April 1982 den Antrag ab. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass die Maßnahme zu personalintensiv wäre und die Differenzierung wegen der zu geringen Schülerzahl nicht gewährleistet wäre. Später jedoch entschied man sich dafür, eine neusprachliche Klasse aus Mühldorf nach Waldkraiburg auszulagern, ohne einen neusprachlichen Zweig anzulegen. Von diesem Zeitpunkt an bestand die Möglichkeit, bis zur 10. Klasse am Waldkraiburger Gymnasium zu weilen.

Ausbau des Gymnasiums

Auch das Gebäude im Ritter-von-Gluck-Weg erwies sich bald als zu eng für die langsam, aber stetig wachsende Schülerzahl. Der Kreistag beschloss deshalb, die schulaufsichtliche Genehmigung für das Raumordnungsverfahren einzuleiten. Geplant war, das Flügelgebäude aufzustocken, um so den nötigen Raum zu schaffen. Am 2.4.1990 stimmte der Kreisausschuss, nachdem alle notwendigen Voraussetzungen gegeben waren, dem Erweiterungsbau zu. Damit investierte der Landkreis annähernd drei Millionen Mark in den Ausbau der Schule. Unter Anwesenheit des Bürgermeisters Jochen Fischer und des Landrats Erich Rambold konnte am 12.6.1992 das Richtfest gefeiert werden. Offiziell übergeben werden konnte der Neubau dann im Mai 1993. Beim Tag der offenen Tür begrüßte die damalige Leiterin der Zweigstelle, Frau Dr. Gertrude Bauer, mehrere Ehrengäste aus dem Landkreis. In ihrer Festtagsrede betonte sie die Linderung der gröbsten Raumnot, unter anderem durch die Entstehung eines modernen Computerraumes und eines Sprachlabors.

Der Weg zum Vollgymnasium

Schon während der Diskussion um den Erweiterungsbau rückte eine weitere Zukunftsfrage für des Waldkraiburger Gymnasiums in den Vordergrund: der Ausbau zu einem Vollgymnasium, also die Angliederung einer Oberstufe, die einen Wechsel der Schüler nach der 10. Jahrgangsstufe auf die Schule nach Mühldorf überflüssig machen würde.

Vor allem Bürgermeister Fischer und der Waldkraiburger Stadtrat bemühten sich um einen Ausbau des Gymnasiums, wobei sie sowohl bei Landrat Rambold und dem Kreistag als auch bei der Schulleitung in Mühldorf auf wohlwollende Unterstützung trafen.

Die Durchsetzung des Anliegens war mit vielen Rückschlägen und Schwierigkeiten verbunden. Noch im Juni 1992 hatte es das Kultusministerium aus Wirtschaftlichkeitsgründen abgelehnt, das Vorhaben in den Schulbedarfsplan aufzunehmen. Diese Entscheidung traf besonders hart, da sich alle regionalen Gremien bis hin zum Planungsverband Südostoberbayern für ein Vollgymnasium in Waldkraiburg ausgesprochen hatten. Auch in den folgenden Jahren sollte sich an diesem Zustand nichts grundlegend ändern.

OStD Konrad Reger, Leiter des Gymnasiums Mühldorf, sprach bereits im Jahr 1995 davon, dass die verantwortlichen Gremien des Landkreises die Entscheidungen für die Errichtung der Gebäude des ab August 1998 selbstständigen Gymnasiums Waldkraiburg fällen würden.

Führungswechsel

Zwei Führungswechsel kamen zur Entwicklung der Zweigstelle im Laufe weniger Jahre hinzu.

Erste Anlaufstation und somit im Gegensatz zur offiziellen Hierarchie die eigentliche Chefin in Waldkraiburg war seit der ersten Besetzung der Stelle 1971 Frau Studiendirektorin Dr. Gertrude Bauer. Sie leitete seit Jahren mit ungeheurem Einsatz die Geschicke der Zweigschule und verlieh 'ihrem' Gymnasium in Waldkraiburg ein eigenes Profil. Unermüdlich hatte sie sich stets für eine adäquate räumliche und materielle Ausstattung der Schule eingesetzt, dabei aber nie den realistischen Blick für die tatsächlichen Möglichkeiten verloren.

In der schwierigen Zeit des Übergangs nahm StD Klaus Seiche die Leitung der Zweigstelle in die Hand. Und auch wenn die Situation in dieser Zeit nicht immer einfach war, steuerte er die Schule doch ruhig durch die Zeiten des Umbruchs zur Selbständigkeit.

Doch musste er leider aus gesundheitlichen Gründen 1996/97 sein Amt niederlegen, das daraufhin von StD Joachim Lang übernommen wurde. Er leitete das Gymnasium mit sicherer Hand durch die damals aufgrund der fast abgeschlossenen Bauten und des Übergangsstadiums in die Selbständigkeit äußert brisante Zeit. Doch da die Schule sich nun bald selbst verwalten würde, bedurfte sie eines eigenen Schulleiters, so dass StD Lang nach nur zwei Jahren in Waldkraiburg wieder nach Mühldorf zurückkehren musste.

Eigenes Gebäude - eigene Führung

Im April 1998 übernahm OStD Anselm Räde die Schulleitung. Nach den Pfingstferien 1998 zogen Lehrer und Schüler in den Neubau des Gymnasiums um. Bis zum Beginn des Schuljahres 1998/99 wurde der Altbau renoviert. Mit Beginn dieses Schuljahres wurde das Gymnasium selbstständig und eine eigene Oberstufe wurde aufgebaut. Im Juni 2001 wurden die ersten Abiturienten vom Gymnasium verabschiedet. Wegen hoher Schülerzahlen war es abzusehen, dass eine weitere Sporthalle notwendig wurde.

10-Jahr-Feier 2008

Im Jahr 2008 feierte das Gymnasium Waldkraiburg das 10. Jahr seiner Selbständigkeit mit einer Festwoche. Dabei wurde den zahlreichen Ehrengästen, Schülern, Lehrer und Eltern neben dem Festakt zum Jubiläum auch das alljährliche Sommerfest, eine Aufführung des Muscals "Joseph", das Theaterstück "Romulus der Große", ein Kabarettabend sowie ein Überraschungskonzert der Band "La Brass Banda" dargeboten. Mit 505 Schülern und 40 Lehrkräften begann die Selbständigkeit am 1. August 1998. Heute besuchen 1055 Schüler das Gymnasium, die von insgesamt 77 Lehrkräften unterrichtet werden. Annähernd 45 Prozent der Kinder in den Eingangsklassen kommen von Waldkraiburger Grundschulen, 55 Prozent aus Umlandgemeinden. 40 Abiturienten wurden im Sommer 2001 in der ersten Abiturfeier verabschiedet. Mit 95 Absolventen entließ das Gymnasium kürzlich nicht nur den stärksten Abiturjahrgang seiner Geschichte, sondern war auch erstmals die Schule mit dem größten Abiturjahrgang im Landkreis.

Wechsel in der Schulleitung

Zum Beginn des 2. Halbjahres des Schuljahres 2008/2009 verließ der langjährige Schulleiter, Anselm Räde, die Schule und wechselte an das Ruperti-Gymnasium Mühldorf am Inn. Nach einer Übergangsphase bis zum Ende des Schuljahres 2008/2009, in der StD Wolfgang Rasch die Geschicke der Schule führte, stand vom 01.08.2009 bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand am 31.7.2015 OStD Joachim Hellwig an der Spitze des Gymnasiums Waldkraiburg. Seit 1.8.2015 ist StD Helmut Wittmann Schulleiter. Herr Wittmann kam vom Nachbargymnasium in Gars, wo er viele Jahre in der Schulleitung tätig war, zuletzt als ständiger Stellvertreter des Schulleiters, an das Gymnasium Waldkraiburg.

 


 

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